Friday, April 15, 2011

Das Turnier - Finale

Achtung: Enthält relevante Informationen zum Abenteuer "Turney zu Adhelstan".



Das gleiche Vorgehen wie am vorigen Tag war Tagesordnung. Erst Terras erster Kampf brachte das durcheinander. Dieser war… Naja, wie soll ich sagen… dramatisch vielleicht. Bei ihrem Gegner handelte es sich um einen sehr arroganten Haudrauf, der ihr vorher groß ankündigte, er werde sie fertig machen, sie solle lieber gleich aufgeben. Zu Beginn sah es auch echt nicht gut aus, beim ersten Anreiten traf er Terra am Bein, und bei der Wucht wäre sie sicher heruntergefallen, wäre sie nicht festgeklebt gewesen. Beim zweiten Anreiten war sie geistesgegenwärtiger und griff zuerst an, traf ihn jedoch nicht, und sie rauschten ohne Schlagabtausch aneinander vorbei. Noch einmal wendeten sie die Pferde. Terra setzte sich gerade auf, die Sonne blitzte hell auf ihrer Rüstung, als sie wieder anritt, sie legte ihre Lanze an, konzentrierte sich ganz auf diesen einen Angriff, und mit einem ekelhaften Knirschen drang ihre Lanze in den Helm ihres Gegners, der zerplatzte. Einen Augenblick herrschte vollkommene Stille, auch Terra, die ihr Pferd wieder gewendet hatte, starrte entsetzt und ungläubig auf das Ergebnis ihres letzten Angriffs. Lautes Getöse brach los, Frauen kreischten, einige vielen in Ohnmacht. Offenbar völlig durcheinander kam Terra zu uns geritten, als das Gefolge des Ritters zu ihm trat, um ihn auf eine Bahre zu legen und davonzutragen.

Ich war ziemlich erschüttert, ärgerte mich aber auch über die großen Leute: Was dachten sie sich denn auch, mit Pferden aufeinander zuzupreschen und dabei aufeinander einzustechen? Kein Wunder, dass da schonmal jemand durchbohrt wurde! Selbst Schuld, aber echt! Ich murmelte auf dem Weg und beim Kochen zornig vor mich hin, wagte aber nicht, in Terras Anwesenheit etwas laut zu äußern, die ein wenig apathisch hinter uns her trottete. Herewald war im Gegensatz zu uns anderen einfach nur begeistert, dass Terra ins Finale gekommen war. ‚Wir als ihr Gefolge‘ müssten doch stolz auf sie sein! Ganymed nahm das gleich zum Anlass, ihn einmal mehr anzupampen, was auch auf der Reise nicht selten vorgekommen war. Im Wesentlichen ging es immer nur darum, dass keiner von uns Terras Gefolge war, sondern dass sie sich uns vielmehr angeschlossen hatte, weil sie sonst alleine unterwegs gewesen wäre. Er schien schon ein bisschen schwer von Begriff zu sein, dieser Herewald.

Als das Finale heranrückte, hatte sich Terra wieder gefasst, war aber wesentlich nachdenklicher als zuvor. Ich mochte gar nicht hinsehen, es konnte ja genausogut sein, dass Terra einmal von einer Lanze aufgespießt wurde. So bekam ich nicht viel vom Kampf mit. Nur ein dumpfer Aufprall und anschließend lautes Jubeln verrieten mir daher, dass es zuende war. Ich wagte einen kurzen Blick auf den Platz: Da saß Terra eben von ihrem Pferd ab, um ihrem Gegner vom Boden aufzuhelfen, der sich schnell trollte. Wir alle drängelten uns rasch zu Terra durch, um sie zu beglückwünschen, allen voran natürlich Herewald, der sie mit Dank und Lob überschüttete. Eine Fanfare wurde geblasen – man, war die laut! – und der Syre bat Terra und Herewald zu sich, während er seiner Tochter bedeutete aufzustehen. Die hatte ein merkwürdig ausdrucksloses Gesicht, dafür dass es hier um ihre Hochzeit ging, wenn ihr mich fragt.

Während der Syre noch Terras Geschick und Tapferkeit lobte, hörte ich, wie etwas in der Nähe einschlug. Ein rascher Blick umher ließ mich auch erkennen, wo: Auf das eben noch so ausdruckslose Gesicht der Prinzessin war auf einmal ein überraschter Ausdruck getreten, auf ihrer Stirn war ein dicker schwarzer Punkt zu sehen, aus dem jetzt langsam eine rote Flüssigkeit quoll. Auf den Bänken um den Platz brach Panik aus, alle versuchten, so schnell wie möglich wegzukommen. Niphredil drängte sich zur Prinzessin durch, wurde erst von Wachen aufgehalten, dann jedoch nach einem Wink von Terra durchgelassen. Ithilwen, Reina und Ganymed spurteten schon in die Richtung, aus der der Bolzen gekommen war. Reina kehrte recht bald erfolglos zurück. In der Zwischenzeit hatten wir uns um die Prinzessin gescharrt, um ein wenig zu verdecken, dass Niphredil ihr den Bolzen aus der Stirn zog, und sie hatte festgestellt, dass sowohl der Bolzen als auch die Prinzessin eine Aura hatten, was Cliona zum Anlass genommen hatte, zu überprüfen, ob die Prinzessin verzaubert war. Dem war wohl so – ein Priester wurde herbeordert, um den Zauber zu bannen, was es auch immer sein mochte. Elwedritsch besah sich den Bolzen genauer und stellte fest, dass er mit Zielsuche versehen war. Außerdem bemerkte er noch, dass eine schwarze Flüssigkeit am Bolzen klebte, die Reina nach eingehender Untersuchung als irgendein Gift deklarierte, welches genau konnte sie nicht sagen.

In der Zeit kehrten auch Ithilwen und Ganymed zurück. „Da hinten liegt ein zerbrochenes Fläschchen mit irgendeiner Flüssigkeit drin. Zumindest war sie mal drin…“, bemerkte Ganymed. „Zufällig schwarz?“, fragte Reina. Ithilwen nickte. „Es gibt zwar Spuren, aber die sind schon viel zu zertrampelt, um sie weiter als einen Meter verfolgen zu können.“

Der Priester, der dann auch bald kam, machte sich ans Werk, und nach 10min begannen sich die Konturen der Prinzessin langsam zu verändern. Zuerst nahm die Haut einen ungesunden Grünstich an, dann verformte sich ihr Körper, wuchs ein wenig in die Breite, vor allem die Schultern wurden kräftiger, ihre Gesichtszüge wurden gröber, bis wir zu guter Letzt – Na, was wohl? - einen Ork vor uns liegen hatten. Wir waren alle recht verblüfft, der Syre hingegen war entsetzt. Terra überredete ihn, den Ork erstmal beseitigen zu lassen, wir würden uns darum kümmern, dass die Prinzessin wieder auftauchte. Also begleiteten wir alle den Syre auf die Burg, wo wir uns das Zimmer der Prinzessin vornahmen.

Dort standen das Bett, ein Schreibtisch, ein Schrank, und ein Regal mit einer ganzen Menge Büchern. Guineth untersuchte das Regal und die Bücher, blätterte ein wenig durch und stieß plötzlich einen überraschten Laut aus. „Schau mal, Niphredil!“ Niphredil, die sich ebenfalls ein paar Bücher angesehen hatte, blickte ihr über die Schulter: „Hm. Nicht gerade Lektüre für eine sechszehnjährige Prinzessin.“ Auch Reina war inzwischen fündig geworden. „Schau mal einer an.“ Sie hielt in der einen Hand ein großes Pergament mit einem Hexagon darauf, dass sie unter einem doppelten Boden im Schrank gefunden hatte, in der anderen Hand einen kleinen Stapel Pergament, scheinbar Briefe, die sie eben aus einem doppelten Boden in einer der Schreibtischschubladen geholt hatte. Niphredil stellte das Buch wieder ins Regal, nahm die Briefe entgegen und las vor.



„Tja, ich würde sagen, wir haben unseren Finstermagier!“, war Marcellos Kommentar dazu. „Ja, und wir wissen auch, wie die Prinzessin abgehauen ist…“ Das war Guineth. „Und warum, wissen wir auch. Die Frage ist nur, wie finden wir sie?“ „Ist doch klar!“ Herewald, der bis jetzt nutzlos in der Ecke herumgestanden hatte, trat vor. „Wir folgen ihr auf dem gleichen Weg!“ Unterdrücktes Seufzen. „Na schön, dann stell dich mal auf das Pergament da mit dem Hexagon und rede einfach weiter, irgendwann wird das Schlüsselwort schon dabei sein.“ Der immer (noch) von Herewald genervte Ganymed. Herewald beäugte misstrauisch das Hexagon, stellte sich dann vorsichtig darauf. „So, und was soll ich jetzt sagen?“ „Irgendwas halt.“ „Wie wärs mit ‚Gwyn‘ oder ‚Geliebter‘ oder so?“, schlug Guineth vor. „Oder mit dem Namen von dem Finstermagier - weiß den eigentlich jemand?“ Ganymed schüttelte den Kopf, „Nein, den wusste Ringol auch nicht. Wir wissen jetzt nur, dass er mit W anfängt, den Briefen nach zu urteilen.“

Es war sehr amüsant, zu beobachten, wie Herewald die nächsten 10 Minuten damit verbrachte, im Brustton der Überzeugung Worte zu rufen, die ihm andere sagten. Irgendwann fiel aber keinem mehr was ein, und so begannen wir, uns andere Gedanken zu machen. „Dieses Versetzen-Hexagon hat doch eine bestimmte Reichweite, oder?“, fragte Elwedritsch. Cliona dachte kurz nach, dann meinte sie: „Ja, im Normalfall sind das 500m.“ „Nehmen wir mal an, er war in einem Gasthaus einquartiert, als sie abgehauen ist. Dann suchen wir nach einer zwielichtigen Gestalt in einem Gasthaus in 500m Umkreis – das grenzt die Suche doch schon etwas ein“, stellte Reina fest. „Allerdings wissen wir nicht, ob das ganze heute passiert ist, die Kammerzofe hat ja gesagt, die Prinzessin sei die letzten paar Tage schon sehr ruhig gewesen. Ausschließen können wir es aber auch nicht, da sie ja wohl schon immer sehr ruhig war.“ „Also ist es wahrscheinlich am besten, wenn wir einfach mal die Gasthäuser absuchen – eine bessere Spur haben wir im Moment jedenfalls nicht“, tat Marcello seine Meinung kund. Alle nickten. „Und was mach ich jetzt?“, fragte Herewald, der immer noch auf dem Hexagon stand. „Du packst das Pergament wieder dahin, wo wir es her haben. Und du“, Niphredil wandte sich an die Kammerzofe, „rührst am besten nichts an.“ Die Zofe nickte verschreckt, ich gab ihr beim Hinausgehen noch den Rat, sich erst einmal eine kräftige Brühe zu holen und dann ins Bett zu gehen, was sie auch gleich befolgte – zumindest eilte sie in Richtung Küche davon, dem Duft nach zu urteilen.

Das Turnier - zweiter Tag

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Am zweiten Tag schien Terra ihre Nervosität dann schon ein wenig abgelegt zu haben. Niphredil und Guineth brachen früh auf zum Turnierplatz und verarzteten einige Verletzte, wobei sie wieder ordentlich absahnten. Reina ging in die Stadt, um Erkundigungen über irgendwelche Leute einzuholen, die sie suchte. Bis zu Terras zweitem Kampf lief alles ungefähr wie am Tag zuvor. Da wir auch nicht wirklich wussten, wo wir nach MacDirk hätten suchen sollen und Reina eh gesagt hatte, dass er nach jedem Auftrag gleich wieder verschwand und sich ein halbes Jahr lang nicht mehr an dem Ort blicken ließe, konnten wir in der Richtung nicht wirklich etwas tun.

Terra schlug sich wieder großartig, den ersten Gegner hob sie aus dem Sattel. Dessen Brustpanzer war ordentlich eingedellt, und sein Arm schien gebrochen zu sein. Er hatte jedoch offensichtlich seinen eigenen Heiler, so dass Niphredil und Guineth diesmal nicht viel zu tun hatten. Terras zweiter und letzter Kampf lief ähnlich. Der Typ hatte es aber auch verdient, so ein arroganter Schnösel. Terra schob ihn mit einem eleganten Schwung hinten vom Pferd runter.

Damit war der Tag auch schon weitestgehend rum, nur morgen standen ihr jetzt noch ein oder vielleicht sogar zwei Kämpfe bevor, wenn sie den ersten auch gewinnen sollte. Vielleicht hatte sie doch Recht und das war gar nicht so abwegig.

Das Turnier - erster Tag

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Am nächsten Morgen gingen wir also zunächst mit Terra zum Turnierplatz, um der Auslosung ihres ersten Gegners beizuwohnen. Sie hatte noch etwas Zeit, bis sie das erste Mal dran war. Also blieben einige bei ihr, nämlich genau die, die sie später auch verzaubern sollten, und außerdem Niphredil und Guineth. Terra wollte sich die anderen Teilnehmer schon einmal etwas genauer ansehen und versuchte, sie einzuschätzen, aber scheinbar hatte sie selbst noch nicht wirklich viel Turniererfahrung. Jedenfalls schien sie froh zu sein, dass Herewald ihr seine Rüstung geliehen hatte, denn alle anderen waren wesentlich besser gerüstet, als sie durch ihre eigene Rüstung gewesen wäre. Ansonsten konnte ich nicht wirklich einen Unterschied zwischen den Teilnehmern feststellen, lauter große Leute in Blechbüchsen. Man hatte uns allerdings gesagt, dass die Favoriten erst in späteren Runden hinzukommen würden – mal sehen, ob an denen irgendwas Besonderes war.
Ich kochte Terra noch etwas, bevor es losging – am Tag zuvor hatte ich ja glücklicherweise Gelegenheit gehabt, meine Vorräte wieder aufzustocken. Aber auch das Essen schien nicht viel gegen ihre Nervosität zu helfen, dabei hatte ich ihr extra Pfannkuchen nach einem Spezialrezept meiner Mutter gemacht! So verbrachte ich nach dem Essen einige Zeit damit, darüber nachzugrübeln, was ich hätte anders machen sollen. Terra meditierte nach dem Essen schonmal. Währenddessen stromerten Ithilwen, Ganymed, Marcello, Farand und Reina durch die Stadt, um Ringol zu suchen. Sie kamen zurück, kurz bevor Terras großer Auftritt kam, hatten jedoch keine Zeit mehr, zu berichten. Terra wurde im Sattel festgeklebt, gesegnet und gestärkt, und sich selbst zauberte sie einen goldenen Panzer, so dass ihre Rüstung schön in der Sonne glänzte. Viel hübscher wurde die Blechbüchse dadurch allerdings auch nicht.
Ich sah zunächst interessiert zu, fand aber nach kurzer Zeit relativ sinnlos, was die Leute da taten – aufs Pferd setzen, Lanzen nehmen, aufeinander zureiten und dabei versuchen sich zu treffen, wieder umdrehen, und von vorne das Ganze. Da sollte man die Zeit doch besser zum Kuchen essen nutzen – es war schon längst Kaffeezeit.
Farand hingegen war ganz begeistert und mindestens so aufgeregt wie Terra, er durfte nämlich Knappe spielen. Auch ein komischer Job. Pferd halten, Lanze halten, Terra die Lanze geben. Spannend.
Terra machte sich ganz gut, soweit ich das beurteilen konnte. Es war zwar mehrmals recht knapp, aber sie besiegte alle drei Gegner an diesem Tag, wobei sie einen ziemlich spektakulär aus dem Sattel hob. Niphredil und Guineth waren eifrig damit beschäftigt, Terras Gegner zu heilen, und schienen daran gar nicht mal so schlecht zu verdienen.
Zwischendrin hatten die anderen Gelegenheit, uns von ihren Nachforschungen zu berichten:
„Ringol ist tot, die Wachen hatten ihn gestern Abend noch nicht einmal dem Syre gemeldet. Die dachten, er sei irgendein dahergelaufener Verrückter. Heute Vormittag hat ihn ein Bettler in der Straße gefunden, tot. Seine Leiche liegt noch bei der Wache, wir sollten uns ihn vielleicht noch mal angucken.“
Also zogen fast alle zwischen zwei Kämpfen noch einmal los, um der Stadtwache einen Besuch abzustatten. Niphredils Diagnose, die sie uns gab, als sie alle zurückkehrten: „Er wurde von hinten erstochen. Der Mörder scheint ihn überrascht zu haben, und er war klein. Reina sagt, sie hätte herausbekommen, dass MacDirk in der Stadt ist, ein berüchtigter Mörder, der einmal auftaucht und tötet, und danach sofort verschwindet.“ Skeptische Blicke zu Reina, alle schienen sich zu fragen, woher sie das wusste, aber keiner fragte nach. Man war es offenbar schon gewohnt, dass sie so ihre Quellen hatte.
Nachdem Terra diesen Tag so gut gemeistert hatte, war sie nicht etwa weniger aufgeregt – nein, sie wurde immer aufgeregter, und spekulierte sogar, was passieren würde, wenn sie tatsächlich gewinnen würde. Als ob das jemals passieren würde! Ich meine, klar hatte sie sich gut geschlagen, aber da musste sie ja nicht gleich größenwahnsinnig werden!

Monday, April 11, 2011

Ankunft in Adhelstan

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Es wurde immer voller auf den Straßen, je näher wir Adhelstan kamen. Ich war echt froh, dass ich Gundel hatte: Ohne sie wäre ich sicher schon längst zertrampelt worden. Da waren Ritter, deren Gefolge, das mehr oder weniger groß war, und Händler – Unmengen von Händlern. Alles mögliche konnte man bei ihnen kaufen: Seifen, Waffen, Kräuter, Taschen, Stoffe, Nahrungsmittel, Fackeln… Es gab sicher nichts, was man hier nicht kriegen konnte. Wir schlugen unser Zelt am Rand der Stadt auf, oder genauer: Am Rande des Zeltlagers, dass sich um die Stadt gebildet hatte. Glücklicherweise gehörte das zu Marcellos Standardausrüstung. Ringol verabschiedete sich von uns, nachdem er sich noch einmal bedankt hatte; er wollte versuchen, mit dem Syre zu sprechen, in der Hoffnung, ihm die Bedrohung deutlich machen zu können, die vom Finstermagier ausging. Er zweifelte jedoch stark daran, dass er überhaupt vorgelassen würde, zumal ja die Tochter des Syres der Hauptpreis des Turniers war – da hatte er sicher jede Menge anderer Sorgen. Ich bezweifelte auch, dass er in die Burg kommen würde – er wusste ja noch nicht einmal den Namen des Finstermagiers! Vielleicht hatte er sich das eh alles nur ausgedacht… Er versprach uns jedenfalls, zurückzukommen, wenn er in der Burg fertig war.

Nachdem das Zelt aufgeschlagen war, machten wir uns alle daran, die Gegend zu durchkämmen: Ich, um meine Vorräte aufzustocken, Ithilwen und Ganymed, um ihre Pfeile wieder aufzustocken, und der Rest, um Terra zur Turnieranmeldung zu begleiten. Ich fand alles, was ich brauchte, auch wenn es zum Teil schwer war, durchzukommen, und ich mehrmals beinahe umgerannt wurde.

Wir trafen alle ungefähr gleichzeitig wieder beim Zelt ein. Terra war jetzt angemeldet und furchtbar aufgeregt. Die Auslosung der Gegner fand jedoch erst am nächsten Morgen statt, so dass sie jetzt erst einmal entspannen konnte. Ich sorgte auch gleich für etwas zu essen und einen Tee zur Beruhigung. Währenddessen verschwand Elwedritsch hinterm Zelt und winkte mir geheimnistuerisch, mitzukommen. Also folgte ich ihm, und er erklärte mir, dass sie soeben ein Geburtstagsgeschenk für Ithilwen erstanden hatten – zwei Feuerkugelpfeile, einen Auflösungspfeil und einen Lähmungspfeil. Er machte sich jetzt daran, Hüllen dafür zu basteln, so dass sie nicht aus Versehen zerbrechen konnten, und ich schuldete Niphredil 50 Silberstücke, wenn ich mich beteiligen wollte. Etwas besorgt spingste ich in meinen Geldbeutel: Das könnte so grade eben noch drin sein. Aber der musste dringend mal aufgestockt werden… Bei der nächstbesten Gelegenheit drückte ich Niphredil die 50 Silber in die Hand.

Abends saßen wir alle gemütlich ums Feuer und machten einen Schlachtplan für morgen. Elwedritsch hatte die grandiose Idee, Terras Rüstung am Sattel festzukleben, so dass sie nicht aus dem Sattel fallen konnte, denn wenn das geschah, hatte sie gleich verloren. Außerdem würde sie vorher meditieren, um ihren ersten Angriff besonders konzentriert durchführen zu können. Ich würde sie zusätzlich noch segnen – wenn Leomie ihr wohlgesonnen war, konnte sie ja fast nur gewinnen. Herewald hatte es im Laufe des Tages geschafft, eine Rüstung für ihr Pferd aufzutreiben, und sie bekam seine Rüstung geliehen. Nachdem das alles besprochen war, machte Terra mit ihrer Nervosität alle anderen auch noch ein bisschen verrückt, dann gingen wir schlafen, wobei wir uns noch kurz wunderten, warum Ringol noch nicht wieder aufgetaucht war, dann aber vermuteten, dass es einfach zu spät geworden war und er irgendwo in der Stadt eine Bleibe gefunden hatte. Wir würden am nächsten Morgen nach ihm suchen.

Tuesday, April 5, 2011

Eine Reisebegegnung

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Mit den unbequemen Mahlzeiten auf dem Karren hatte ich mich nach ein paar Tagen halbwegs abgefunden. Ich saß mal wieder neben Elwedritsch auf dem Karren, es war nachmittag und regnete zur Abwechslung mal, die Straße war matschig und wir kamen noch langsamer als sonst voran, als wir auf einmal Kampfeslärm hörten. Der Fian Ganymed und die eine Elfe, Ithilwen, von der ich nicht recht wusste, was sie eigentlich war – sie schien sich vorzüglich aufs Jagen, Spurenlesen und solcherlei Dinge zu verstehen – preschten vor, die Ordenskriegerin Terra folgte ihnen mit Herewald, der eigentlich seinen Arm schonen sollte, und mit Reina, der KanThai, die dicht von Farand gefolgt war. Wir fuhren noch bis zur Ecke und brachten uns dann hinter dem Karren in Sicherheit, wobei sich Guineth und Niphredil, beides Heilerinnen, uns anschlossen. Marcello indes stürmte ebenfalls vor ins Kampfgetümmel.

Ganymed und Ithilwen hatten, soweit ich das erkennen konnte, ein paar der Angreifer unter Beschuss – Orks. Soviel erkannte ich, obgleich ich noch nie zuvor einen gesehen hatte. Sie waren schon extrem hässlich und ich konnte sie bis hinter den Karren riechen - das verdarb selbst mir den Appetit. Etwa ein Dutzend von ihnen hatten offenbar bis vor ein paar Sekunden einen einzelnen Mann attackiert, der schon recht mitgenommen aussah – kein Wunder. Jetzt kam etwa die Hälfte in unsere Richtung gerannt, Ithilwen und Ganymed steckten ihre Bögen weg und zogen ihre Schwerter. Elwedritsch spannte seinen Schirm auf, und einer der Orks sank, offensichtlich von irgendwas getroffen, zu Boden. Etwas misstrauisch beäugte ich den Schirm, Elwedritsch grinste mir zu und wandte sich dann wieder dem Kampfgeschehen zu, was ich ebenfalls tat. Ich sah, wie Reina ihre merkwürdige Waffe, eine an einer Kette befestigte Sichel, in großem Bogen schwang, als sie auf die Angreifer zulief, den ersten verfehlte, dem zweiten mit einem sehr hässlichen Geräusch ein Bein abschlug und dem dritten die Sichel seitlich in die Bauchgegend grub. Auf diesen schlug sie weiter ein, während Marcello sich einen anderen vornahm und ihn mit blitzschnellen Streichen seines Rapiers auseinandernahm. Farand erging es nicht so gut: Kaum hatte er den ersten Ork ins Visier genommen, zog ihm dieser mit einer Keule eins über dem Kopf, so dass er gurgelnd zusammenbrach. Eine Schreckenssekunde lang dachte ich, er sei tot, doch dann sah ich, dass er sich noch schwach bewegte und offenbar versuchte, vom Kampf wegzukriechen. Ganymed hielt inne, als er das sah, sprang vor fing den nächsten Hieb des Orks ab, bevor er ihn einmal der Länge nach aufschlitzte. Dann nahm er Farand auf, um ihn zu uns zu tragen, setzte ihn bei uns ab und stürzte sich erneut ins Getümmel. Niphredil begann sofort damit, die Platzwunde am Kopf zu stillen. Inzwischen war auch Ithilwen bei den Orks angekommen, und ab da war es nur noch ein einziges Getümmel. Wir, also im wesentlichen Niphredil, verarztete Farand – er hatte danach einen dicken Verband um den Kopf. Die anderen schienen ohne große Probleme die restlichen Orks niederzumetzeln. Ein bisschen gruselig war es schon, ich war froh, dass ich zu den Abenteurern gehörte…

Endlich war es vorbei, und wir kamen vorsichtig näher, wobei ich darauf achtete, nicht auf Orks oder deren Blut zu treten. Widerlich! Und wie sie stanken!

Wir gelangten zu dem armen Menschen, dem wir zur Hilfe geeilt waren. Da sah ich, dass er auch spitze Ohren hatte - noch ein Elf also. Niphredil begann gleich, ihm Verbände anzulegen und murmelte anschließend einige Heilsprüche, wobei Guineth ihr zur Hand ging und ich nur hin und wieder einen Handgriff tat, wenn es nötig war. Die beiden waren ein gut eingespieltes Team, für mich gab es da nicht mehr viel zu tun.

Als der Mann wieder soweit hergestellt war, stellte er sich als Ringol vor. Er sei königlich albischer Waldläufer. Wir machten uns wieder auf den Weg nach Adhelstan, während er weiter erzählte, auf dem Karren sitzend. „Es wundert mich nicht, dass ich angegriffen wurde, aber ich bin froh, dass ihr zur Stelle wart, und möchte euch noch einmal danken, dass ihr mich gerettet habt, denn andernfalls wäre möglicherweise auch Wissen verloren gegangen, das besser erhalten bliebe. Wisst ihr, ich bin seit einigen Jahren auf der Jagd nach einem Finstermagier. Ich habe die Spur manchmal verloren, aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass er hier in der Gegend sein Unwesen treibt. Ich bin davon überzeugt, dass er diese Orks geschickt hat, um mich zu töten, weil ich ihm auf die Schliche gekommen bin. Ihr solltet euch vor ihm in Acht nehmen, er hat sicher beobachtet, was hier vorgefallen ist.“

Na großartig… Ein Finstermagier. Der uns wahrscheinlich jetzt alle umbringen will. So hatte ich mir mein erstes Abenteuer wirklich nicht vorgestellt. Andererseits, warum auch nicht? Dann hatte ich Odur wenigstens was zu erzählen, wenn ich ihn mal treffen sollte auf unseren Reisen. Nachdenklich kauend saß ich auf dem Karren und hatte doch tatsächlich einmal vergessen, dass man beim Essen nicht über wichtige Dinge nachdenken soll.

Sunday, April 3, 2011

Der erste Reisetag

Gleich am nächsten Tag musste ich feststellen, dass meine Reisegefährten nicht gerade einfach waren, was das Essen anging. Als ich mich zum zweiten Frühstück am Straßenrand niederlassen wollte, fragten sie völlig verständnislos, was ich vorhätte. „Es ist Zeit für das zweite Frühstück“, sagte ich ihnen, „schaut mal, wie hoch die Sonne schon steht.“ Verwirrung machte sich scheinbar breit, nur der Gnom, Elwedritsch, stieg ab und wollte sich dazugesellen. „Nichts da“, hieß es dann von Ganymed, dem Fian. „Wir wollen schließlich rechtzeitig zum Turnier in Adhelstan ankommen. Schließlich sind wir ja angeblich Terras ‚Gefolgsleute‘“ – er warf ihr einen etwas beleidigten Blick zu – „und sie muss ja für ihren Jugendfreund Herewald am Turnier teilnehmen, da er ja einen verletzten Arm hat!“ Es folgte ein genervter Blick zu genannter Blechbüchse. Dieser quasselte ununterbrochen, und auch wenn ich nichts gegen ein gelegentliches Schwätzchen habe, muss ich doch zugeben, dass er ein wenig nervig war, und ich ihm gerne mal einen guten Rat gegeben hätte.

Doch jetzt stand ich vor einem ganz anderen Problem: Einige schienen Ganymed Recht zu geben. „Aber wir müssen doch was essen! Wir können doch nicht ohne Frühstück weiterreiten!“ „Wir haben doch schon gefrühstückt…“, kommentierte Ganymed. „Ja, aber was ist mit dem zweiten Frühstück?“ „Nichts da, wir reiten weiter bis heute Abend. Da gibt’s dann im Gasthaus wieder was zu essen.“ „Also ich könnte auch was essen“, merkte Elwedritsch an. „Also gut, stimmen wir ab. Wer ist dafür, dass wir jetzt eine Pause machen und was essen?“ Elwedritsch, Farand und ich hoben die Hand. „Wer ist dagegen?“ Fünf Hände hoben sich. Seufzend fügte ich mich meinem Schicksal. „Ihr könnt euch ja auf meinen Karren setzen und da was essen“, schlug Marcello vor. Ziemlich eingeschnappt über die Ignoranz der großen Leute kletterte ich auf den Wagen und packte ein großzügiges Picknick aus, auf Elwedritsch’s Wunsch zauberte ich auch noch einen Krummbeerekuchen, zu albisch einen Kartoffelkuchen herbei. Der Hund, Balian, der sich bei der Gruppe befand, bekam selbstverständlich auch ein großes Stück Schinken.

Gegen Mittag versuchte ich noch einmal, die Leute zu überzeugen, dass es doch viel schöner und sinnvoller sei, zum Essen anzuhalten. „Sag mal, wie willst du denn was erleben, wenn du die ganze Zeit nur isst?“, wurde ich gefragt. „Na ganz einfach – die Abenteuer kommen doch zu mir, wenn ich an einer Stelle bleibe. Wenn ich dauernd vor ihnen wegreite, dann holen sie mich doch nie ein.“ „Aber es wäre doch blöd, wenn du beim Essen von Räubern überfallen wirst?“ „Nee, das wäre doch spannend. Außerdem würden sie mich ja nicht überraschen, weil ich warte ja quasi auf sie.“ „Naja, aber du weißt ja nicht, dass sie kommen. Es ist doch besser, wenn man selber das Abenteuer findet, als wenn das Abenteuer einen findet. Dann ist man wenigstens vorbereitet.“ Diese Logik gefiel mir zwar ganz und gar nicht; welchen Sinn hatte es, Abenteuer zu suchen, wenn sie doch von selber kamen und man gemütlich bei einem Picknick auf sie warten konnte? Aber ich verzehrte auch mein Mittagessen auf dem Karren.

Die restlichen Tage murrte ich noch ab und zu, freundete mich aber langsam mit der Karren-Lösung an, da ich einsah, dass Widerspruch zwecklos war.